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Improvisationstheater
Quelle: Wikipedia (kontrolliert und bestätigt
vom Webmaster natürlich !)
Was ist Improvisationstheater?
Improvisationstheater (oft auch kurz Improtheater) ist eine Form des Theaters,
bei dem improvisiert wird, d.h. es wird eine oder es werden mehrere zuvor nicht
einstudierte Szenen gespielt. Die Spieler kommen auf die Bühne und wissen nicht,
was passieren wird. In der Regel bekommen sie ein Thema oder einen Vorschlag aus
dem Publikum. Der Moderator fragt z.B. nach einem Ort, einer Beziehung, einem
Beruf, einer brenzligen Situation, nach einem Gefühl, nach Ihrem letzten
besuchten Kinofilm. Diese Vorschläge sind dann Auslöser und Leitfaden für die
daraufhin spontan entstehenden Szenen. Häufig werden die Spieler durch einen -
meist ebenfalls improvisierenden - Musiker begleitet.
Eine Geschichte entsteht aus der Spontanität und gegenseitigen Inspiration der
Impro-Spieler, oft fern ab von der Rationalität. Der verneinende Intellekt
weicht der Phantasie. „Damals gilt, was heute gilt: Bin ich inspiriert, geht
alles gut, doch versuche ich es richtig zu machen, gibt es ein Desaster.“ (Keith
Johnstone 1993, S. 36).
Die Grundlagen des modernen Improvisationstheaters sind die Commedia dell'Arte
und die Stegreifkomödie.
Geschichte
In Deutschland wird oft die Meinung verbreitet, dass das Improvisationstheater
vom Briten Keith Johnstone in der Mitte des 20. Jahrhunderts erfunden wurde.
Eigenen Angaben zufolge experimentierte er mit seiner "Theatre Machine" und
kreierte ein Konzept namens Theatersport, da die Zensur in Großbritannien
verlangte, dass Theaterstücke vor der Aufführung überprüft werden müssen.
Angeblich konnte Theatersport dann ohne Probleme als Sportveranstaltung gebucht
werden.
Was an dieser Geschichte wahr ist, ließ sich bis jetzt noch nicht nachvollziehen
oder belegen, da die einzige auffindbare Quelle sein eigenes Buch ist, oder
Bücher die sich darauf beziehen.
Später wanderte Johnstone nach Kanada aus und gründete das heute noch existente
"Loose Moose" Theater. In Kanada gab es auch eine andere Form des improvisierten
Wettstreits zwischen zwei Theatermannschaften, der auch in Frankreich, Spanien,
Italien, etc. weit verbreitet ist. Es herrscht Uneinigkeit darüber, wer nun
wirklich zuerst damit angefangen hat.
Die verschiedenen heute praktizierten Formen des Improvisationstheaters lassen
sich nämlich fast ausnahmslos auf die im Jahre 1955 in Chicago gegründete
studentische Schauspielgruppe "The Compass" zurückführen. Diese engagierte
Gruppe erweckte die Prinzipien der Commedia dell'Arte zu neuem Leben und führte
- inspiriert durch Bertolt Brechts Theatertheorien – nach so genannten Scenarios
gesellschaftskritische, satirische Improvisationen auf. Darüber hinaus wurden
nach Vorgaben des Publikums kurze Szenen improvisiert.
Noch vor Keith Johnstone entwickelte die Amerikanerin Viola Spolin
Improvisationstechniken und Improspiele. Von ihrem Sohn Paul Sills wurde Impro
in Amerika weiterentwickelt.Die ersten Ursprünge des improvisierten Spiels
liegen jedoch noch viel tiefer in der Vergangenheit, nämlich im Ursprung der
Kunstform Theater selbst. Allerdings trat die Improvisation im Laufe der
Geschichte mit der Entwicklung einer Theatertradition immer mehr in den
Hintergrund. Sie wurde zwischenzeitlich zwar wieder entdeckt – ähnlich wie die
Improvisation in der Musik -, hatte und hat bis heute jedoch noch oft damit zu
kämpfen, als eigenständige Kunstform anerkannt zu werden, deren Berechtigung
nicht nur in der Probenarbeit des regulären Theaterbetriebs und in der
Schauspielausbildung liegt, sondern in der Bühnenpraxis selbst.
Im Mimus im antiken Griechenland und bei der Commedia dell'Arte spielte
Improvisation eine tragende Rolle. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es weitere
Experimente, z.B. das Stegreiftheater, das Jakob Levy Moreno mit
psychotherapeutischen Zielsetzungen zunächst in Wien und später in den USA zum
psychodramatischen Rollenspiel weiterentwickelte. Allerdings kann keine direkte
Verbindung zu den oben erwähnten späteren Spielformen gezogen werden, die
Compass-Players haben sich nicht mit den Stegreiftheater-Experimenten befasst.
Formen
- Kurzformen: Die jeweilige Szene dauert nur wenige
Minuten. Hier gibt es viele dutzende von Spielen, zum Beispiel "Freeze Tag".
Die kurzen Szenen werden in der Regel auch beim Theatersport benutzt.
- Theatersport: Beim Theatersport treten zwei
Mannschaften in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an und versuchen,
durch besonders gute Szenen die Gunst des Publikums zu erlangen. Der Begriff "Theatersport"
wurde von Keith Johnstone rechtlich geschützt und darf nur mit dessen
Genehmigung für Auftritte verwendet werden. Deswegen sind auch Begriffe wie
Impro-Match geläufig.
- Action Theater: Körperbetonte Form des Improtheaters.
Gründerin ist die Performerin Ruth Zaporah. Näheres unter actiontheater.com
oder ImproArt -Improschule in München.
- Langformen: Die Szene dauert mindestens 15-20 Minuten.
Eine typische Langform ist der Harold: Impressionen über ein Thema, oft auch
mit autobiographischen Elementen der Schauspieler.
- Krimi: Ein Krimi, bei dem ein Mord geschieht. Die
auftretenden Charaktere werden dabei von den Zuschauern bestimmt. Nach dem
Mord darf das Publikum entscheiden, wer der Mörder war.
- Improvisation mit Regisseur: Ein längeres
Theaterstück, bei dem ein Regisseur eingreifen kann.
- Impro-Soap: Eine improvisierte Soap-Opera.
- Biographietheater: Ein geladener Gast erzählt aus
seinem Leben. Diese Geschichte wird gleichzeitig improvisiert.
- Impro-Oper: Improvisierte Oper, mit Arien, Duetten,
Chören.
- Szenen in Gromolo (auch Volapük, Gibberish), eine
Kunst- oder Phantasiesprache.
- Impro-Musical: komplett spontan gesungenes Musical,
meist als Impro-Game innerhalb einer Show, aber auch als Langform in mehreren
Akten.
- Playback Theater
Literatur
- Augusto Boal: Theater der Unterdrückten – Übungen und
Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler Suhrkamp, Frankfurt 1979 und
1989, ISBN 3518113615
- Augusto Boal: Der Regenbogen der Wünsche Kallmeyer
1999, ISBN 3780058111
- Augusto Boal: Legislative Theater 1999, ISBN
0415182417
- Keith Johnstone: Improvisation und Theater. Alexander
Verlag. ISBN 3923854676
- Keith Johnstone: Theaterspiele. Spontaneität,
Improvisation und Theatersport. Alexander Verlag ISBN 3895810010
- Doug Nunn: Show ab!. Buschfunk. ISBN 3-7660-910-26
- Viola Spolin: Improvisationstechniken - für Pädagogik,
Therapie und Theater. Verlag Junfermann. ISBN 3-87387-209-9
- Radim Vlcek: Workshop Improvisationstheater. ISBN
3-4030-34232
- Ruth Zaporah: Action Theater
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